Werbeartikel - Lexikon
Porzellanveredelung
Der Herstellungsprozess von Porzellan wurde zunächst im Kaiserreich China im Jahre 620 entwickelt, die Herstellungsmaterialien und -methoden wurden lange Zeit geheim gehalten. Die Grundmaterialien von chinesischem Porzelan - Kaolin (eine spezielle Tonart ohne Eisen), Petuntse (ein Feldspat- bzw Glimmergestein) sowie feiner Quarz - verbinden sich beim Brennprozess zu einem weißen, harten und glatten Material. Um 1300 brachte Marco Polo das erste Porzellan nach Italien. Es gelang den Europäern jedoch zunächst nicht, das Geheimnis der Porzellanherstellung zu entschlüsseln. Erst 1708 produzierten Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus in Dresden bzw. Meißen das erste europäische Porzellan. Nach Tschirnhaus Tod entwickelte Böttger das Verfahren in Meißen weiter. Am 28. März 1709 vermeldete er in Dresden die Erfindung des europäischen Porzellans. 1710 entstand in Meißen auf der Albrechtsburg die erste europäische Porzellanproduktionsstätte, die Weltruhm erlangte. Fast ein halbes Jahrhundert lang konnte Meißen das Geheimnis der Porzellanherstellung für sich bewahren. Das Meißner Porzellan aus der Meißner Porzellan-Manufaktur ist noch heute berühmt. Alle Porzellane aus dieser Produktion tragen bereits seit 1722 das Markenzeichen für Meißner Porzellan, die "Gekreuzten Schwerter", durch die kontinuierliche Fertigung bis zum heutigen Tag häufig als die älteste in Gebrauch befindliche Marke bezeichnet.
Produktionsstandorte
Porzellan zählt zu den Basics im Werbeartikelmarkt. Produktionsstandorte für sehr hohe Qualität sind in Deutschland, aber auch in Frankreich, England, der Schweiz und Österreich zu finden. Einige der traditionsreichen Unternehmen bieten auch eine exklusive Kollektion von Werbeartikeln aus Porzellan an, die aber eher dem Premiumbereich zuzuordnen sind. Da die Herstellung und Veredelung von Porzellan viel manuelle Arbeit erfordert, wird vor allem im Bereich der Massenartikel - zu dem ja auch Werbeartikel aus Porzellan gehören - zunehmend im Ausland produziert. Hochwertiges Bone China- Porzellan kommt heute nicht mehr nur aus England, sondern unter anderem auch aus Rumänien. Während Portugal als wichtiger Exporteur von Keramik zu nennen ist, sind Tschechien und Polen wichtige Porzellanproduzenten in Europa. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das meiste importierte Porzellan in Deutschland aus China kommt. Aufgrund der dortigen Kaolinvorkommen wird in China - dem Geburtsland des Porzellans - nicht selten in wesentlich weißeres Porzellan als z.B. in Tschechien oder Polen produziert. Die Qualitäts- und Preisunterschiede sind enorm. In China z.B. wird Porzellan für nominierte deutsche Markenartikler in hoher Qualität produziert, ebenso findet man dort aber auch minderwertige Ware.
Porzellanarten
Porzellan besteht neben einigen Spurenelementen aus drei wesentlichen Bestandteilen: Kaolin, Feldspat und Quarz. Je nach Mengenverhältnissen unterscheidet man zwischen Hart- und Weichporzellan. Damit ist aber nicht die Materialhärte gemeint - der Unterschied liegt vielmehr in den unterschiedlichen Brenntemperaturen. Von anderen Keramikprodukten unterscheidet sich Porzellan nicht durch seine hohe Brenntemperatur, wie häufig angenommen wird, sondern durch sein Sinter-Verhalten: Der Feldspatanteil im Porzellan schmilzt während des Brennvorganges und kann dem Scherben eine fast geschlossenporige Struktur von geringer Porosität verleihen. Diese Besonderheit führt bei manchen Porzellanen, besonders bei dünnen Wandstärken, zu einer Halbtransparenz.
Bone China oder auch Knochenporzellan bezeichnet ein in England entwickeltes Rezept, bei dem durch Beigabe von bis zu 50% Rinderknochen-Asche eine besonders hohe Transparenz erreicht wird. Wirksame Bestandteile der Knochenasche sind die hohen Anteile an Kalziumoxid und Kalziumphosphat.
Hier eine Übersicht der gebräuchlichsten keramischen Erzeugnisse:
|
Bezeichnung der Ware |
Porosität |
Max. Brenntemperatur |
|
Bone China |
von 0,05 bis 0,01 |
1.380 bis 1.450°C |
|
Hartporzellan/Hotelporzellan/Porzellan |
von 0,99 bis 0,05 |
1.290 bis 1.450°C |
|
Stoneware/Hartkeramik |
von 5,00 bis 2,90 |
1.220 bis 1.280°C |
|
New Bone China |
von 8,00 bis 6,90 |
1.220 bis 1.250°C |
|
Keramik/Steinzeug |
von 12,00 bis 9,90 |
1.100 bis 1.220°C |
|
Steingut/Terracotta/ Earthenware |
von 20,00 bis 13,00 |
800 bis 1.000°C |
Qualitäten
Ein Privatkonsument stellt an sein Porzellan unter Umständen andere Erwartungen als ein gewerblicher Gastronomiebetrieb. Wieder andere Anforderungen stellt ein Kunde, der Porzellan als Werbeartikel einsetzt. Vereinfacht kann man sagen, dass man Konsumerprodukte aus Porzellan und Keramik in drei Kriterien qualitativ bestimmen und unterscheiden kann: Material-Art und deren Porosität, Sortierung und Art der Veredelung. Porosität ist ein wichtiges Qualitätskriterium. Sie wirkt sich auf Gebrauchseigenschaften wie Gewicht und Dichte, Bruchfestigkeit und bedingt auch auf Spülmaschinen- und Mikrowellenfestigkeit aus. Bei der Qualitätsbestimmung wird die Porosität von Porzellan anhand der Wasseraufnahme gemessen, mit einer Fläche von 1 qcm und 1 ml Wasser auf unglasierter Scherbe nach dem Hartbrand. Die Menge des von der Scherbe absorbierten Wassers bestimmt den Grad der Porosität. Es wird nach der Gewichtsmethode gearbeitet, über eine Skalierung nach Milligramm - zu bestimmen vor und nach der Flüssigkeitsaufnahme.
Sortierung
Porzellan wird nach dem Glasurbrand in verschiedene Qualitätsstufen sortiert und unterteilt.
Erste Wahl
Je nach Produkt- oder Markenanspruch kommt hier ein aufwendiges Kontrollverfahre zum Einsatz, bei dem eine Person pro Schicht teilweise nur 150 Artikel bearbeitet. Diese Sortierung wird vom Handel und von der Industrie kaum noch bezahlt, daher ist der Marktanteil dieser Sortierung rückläufig. Erste
Wahl bedeutet keinerlei Fehler bei Formgebung, Glasur und Verarbeitung.
Handelssortierung - Mischsortierung
Die am weitesten verbreitete Sortierung, wenngleich sie von Werk zu Werk unterschiedlich gehandhabt wird. Bis heute ist diese Qualitätsstufe weder genormt noch komplett nachvollziehbar. Mischsortierung ist die preilich leistungsfähigste Sortierung und bietet vernünftige Qualität. In jeder Mischsortierung kommen Fehler vor, die vom Handel und vom Kunden akzeptiert werden müssen, die aber je nach Artikel auch unterschiedlich wahr genommen werden. So verzeiht man einer großen Terrine eine leichte Verformung eher als flachen Tellern, die man übereinanderstapelt. Als Faustregel gilt: Bei genauer Begutachtung der Ware sollte der Anteil fehlerhafter Ware 20% nicht übersteigen.
Ofensortierung
Der Name stimmt eigentlich nicht, denn es gibt keine Sortierung. Was Ofen und Maschinen ausspucken, wird verpackt und geliefert. Unter Umständen ein kostspieliges Wagnis.
Die Glasur
Sowohl in der Formgebung als auch in der weiteren Verarbeitung bietet Porzellan eine enorme Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten, die vor allem durch das jeweilige Budget begrenzt sind. Weiterhin wichtig ist die Tauglichkeit für Beanspruchungen des täglichen Lebens, wie etwa Spülmaschinenbeständigkeit oder Mikrowellentauglichkeit. Diese Eigenschaften sind insbesondere bei bedrucktem oder bemaltem Porzellan von Relevanz, weniger bei graviertem oder anderweitig mechanisch bearbeitetem Porzellan.
Als Werbeartikel wird Porzellan vor allem durch eine farbliche Gestaltung individualisiert. Anders als beim Branden, Bedrucken, Rändern und Spritzen von allen sonstigen Werbeartikeln muss die Farbe bei Porzellan und Keramik eingebrannt werden. Die größte Herausforderung liegt darin, die jeweilige Farbe in genau dem gewünschten und beabsichtigten Farbton einzubrennen, den man geplant hatte. Dies zu erreichen ist keine Selbstverständlichkeit, denn keramische Farben entwickeln sich zu ihrem Endergebnis durch eine oxidative Reaktion im Brennofen während des Brennprozesses. Dieses Sys-tem ist empfindlich und kann aufgrund von Kleinigkeiten - wie dem Sauerstoffgehalt im Brennofen, anderen Nachbarfarben auf dem Brenngut oder unterschiedlichen Glasurbestandteilen - starken Schwankungen unterliegen, die nicht oder nur schlecht steuerbar sind. Im Allgemeinen gilt: Je höher die Brenntemperatur, desto eingeschränkter ist die Farbpalette.
Bei anorganischen Farben wird in zwei Brennbereiche unterschieden: Inglasur- und Aufglasurbrand. Beim Inglasurbrand wird die Farbe bei mehr als 1.200°C eingebrannt. Das Ergebnis ist zu 100% spülmaschinen- und kratzfest. Es sind jedoch nur wenig Farben verfügbar; zudem erscheinen Konturen leicht verschwommen. Weil Inglasurbrand gleichzeitig teuer in der Herstellung ist, wird er im Werbeartikelbereich eher selten angewandt. Relevanter ist der Aufglasurbereich: Hier ist die Farbauswahl ausreichend, da Dekore bei maximal 850°C eingebrannt werden. Das Ergebnis ist spülmaschinengeeignet: Je nach Spülmittel, Maschine, Temperatur und Beschaffenheit der Glasur sind bis zu ca. 500 Spülgänge möglich, ohne dass optische Veränderungen des Dekors feststellbar sind.
Die relativ junge Entwicklung organischer Farben eröffnet der Gestaltung von Porzellan ein neues Spektrum an Möglichkeiten. Organische Farben sind nicht hundertprozentig kratzfest, erreichen aber je nach Art der Verarbeitung gute Ergebnisse in Bezug auf Spülmaschinenbeständigkeit und Farbtreue. Weil sie bei wesentlich geringeren Temperaturen als anorganische Farben gebrannt werden, lässt sich mit organischen Farbpaletten jeder beliebige Pantone-Farbton auf Keramik erzielen - es gibt also faktisch keinen Farbton, der nicht darstellbar ist. Eine Eigenschaft, ohne die man in der Welt der Werbeartikel fast nicht mehr auskommen kann. Ein weiterer Vorteil von organischen Farben: Sie sind blei- und cadmiumfrei und damit uneingeschränkt lebensmitteltauglich.
Derzeit wird eine Methode entwickelt, anorganische Farben mittels UV-Licht härten, um eine noch bessere Beständigkeit und Oberflächenhärte zu erreichen.
Individualisierungstechniken
Durch anschließende Werbeanbringung erhält das Porzellan eine höhere Individualisierung und teilweise auch eine nicht unerhebliche Wertsteigerung. Wichtige Veredelungstechniken sind - absteigend geordnet nach Aufwand und Wertigkeit:
- Handmalerei
- Dekoration mit Edelmetallen
- Transferdekordruck (Sieb- oder Tiefdruck)
- Direktdruck (Sieb- oder Tampondruck)
- Digitaldruck
- Sublimationsdruck
Hinzu kommen spezielle Veredelungstechniken wie Dekoration mit Swarovski-Kristallen, Beflockung, farbige Spritzglasuren und Logogravur.
Handmalerei
Die älteste Form der farblichen Gestaltung von Porzellan ist heute den Unikaten vorbehalten, die in renommierten Produktionsstätten wie Meißen oder bei KPM Berlin (Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin GmbH) von Künstlern hergestellt werden. Im Werbeartikelbereich wird Handmalerei eher selten angewandt, es sei denn, man personalisiert Porzellan per Handschrift. Dies wirkt edler und individueller als ein gedruckter Name, ist aber aufwendig, da jeder Name mit einer speziell angepasteten Porzellanfarbe per Hand mit einer speziellen Feder auf das Porzellanstück geschrieben wird.
Tampon- und Sieb-Direktdruck
Hierbei wird das Motiv mittels eines Tampons oder Siebes, das direkt auf dem Porzellanstück aufliegt, auf das Porzellan übertragen. Diese Techniken sind schnell und preiswert, bergen aber den Nachteil, dass bei Motiven, die aus mehreren Farben bestehen, eine gewisse Passerdifferenz auftreten kann, da kein Porzellankörper exakt dem anderen gleicht. Auch eine vollflächige Bedruckung von Tassen und Bechern ist nicht möglich. Fazit: für einfache Brandings mit möglichst wenigen Farben eine preiswerte Möglichkeit des Aufdrucks. Mit qualitativen Einschränkungen muss allerdings gerechnet werden.
Transferdekore im Sieb- oder Offsetdruck
Bei dieser Technik wird das Motiv durch ein Abziehbild auf das Porzellan übertragen, das im Siebdruck- oder Offsetdruckverfahren hergestellt werden kann. Aus dem Bereich des Papier- und Prospektdrucks kennen wir den Off-set- oder Tiefdruck als eine Drucktechnik, die durch ihre Ergebnisse qualitativ den State of the Art definiert. Im keramischen Druck ist das nicht zwangsläufig so. Das liegt daran, dass der klassische Offsetdruck mit den vier Grundfarben der Euroskala auskommt. In der Keramik definitiv nicht, denn es gibt bei den klassischen anorganischen Farben weder ein leuchtendes Magenta noch ein leuchtendes Cyan. Demzufolge sind Dekore und Motive, die im keramischen 4-Farbsatz gedruckt wurden, eher blässlich und manchmal etwas "farblos". Dies liegt wohlgemerkt nicht an den Drucktechniken, sondern an den der Keramik zur Verfügung stehenden Farben.
Der Tief-oder Offsetdruck kennt nur die vier Grundfarben und ist daher schnell am Ende seiner Möglichkeiten. Im Siebdruck hat man jedoch die Möglichkeil, den klassischen 4-Farbsatz mit beliebig vielen Zusatzfarben zu ergänzen, die dann, je nach betriebenem Aufwand, ein keramisches Motiv fast einem Prospektdruck ähneln lassen. Diese Technik ist durch die Mehranzahl der Farben und die notwendige, aufwendige Reprotechnik (Druckvorstufe) kostenintensiv, liefert aber nachweislich die qualitativ besten Ergebnisse im keramischen Dekordruck.
Ein weiterer Unterschied zwischen keramischem Sieb- und Tiefdruck liegt darin, dass bei hellen, zarten Verläufen der Tiefdruck oftmals mit weniger Farben feine Ergebnisse liefert. Bei kräftigen, deckenden Teilen eines Motivs sieht man aber beim Tiefdruck eine unregelmäßige Struktur auf der Farbe, die teil-weise unsauber und störend wirkt. Diesen Effekt kennt der Siebdruck nicht.
Fazit: Je nach Anspruch und Budget können mit einem Transferdekor auf Porzellan durchaus Prospektqualitäten erreicht werden.
Digitaldruck
Diese Drucktechnik funktioniert ähnlich wie ein Farbkopierer, allerdings besteht der Toner aus keramischen Farben. Der Nachteil ist, dass hier nur die vier Farben der Euroskala zur Verfügung stehen, weshalb die Ergebnisse je nach Motiv eher bescheiden ausfallen. Der Vorteil liegt darin, dass man quasi ohne die teure Druckvorstufe auskommt und somit besonders kleine Auflagen kostengünstig produzieren kann. Dieses Verfahren eignet sich daher z.B. für eingebundene Personalisierungen oder Limitierungen durch eine fortlaufende Nummerierung.
Sublimationsdruck
Sublimationsdruck wird u.a. in Copyshops angewendet, die z.B. wie Passfotos auf Kaffeebecher drucken. Für das Verfahren werden Becher mit einer Kunststoffschicht verwendet, die durch Erwärmung das Dekorbild in sich aufnimmt. Diese Dekore sind in der Regel nicht lichtecht und auch nicht kratzfest und gehören eher in den Hobby-Bereich.

