Werbeartikel - Lexikon

Stick

Von den Chinesen von alters her gepflegt, war die Stickerei auch den alten Indern und Ägyptern bekannt, die jedoch noch nicht über geometrische Figuren hinausgingen. Es waren die Assyrer, die als Erste Tier- und Menschengestalten auf Kleidern und Vorhängen darstellten. Von ihnen lernten die Griechen und von diesen wiederum die Römer das Besticken. Im Mittelalter wurde die Stickerei in den Klöstern für geistliche Gewänder und Altarbekleidung gepflegt, noch übertroffen wurden diese Arbeiten vom 11. Jahrhundert an von arabischen Kunstanstalten. Mit der Bildung kam auch die Kunst des Stickens m weltliche Hände: Erst in England, später in Burgund erreichte sie im 14. Jahrhundert ihre Blütezeit.

Industrielle Fertigung
Mit der industriellen Revolution veränderten sich auch die Textiltechnologien grundlegend - die Schweizer Franz Rittmeyer und Anton Vogler entwickelten Mitte des 19. Jahrhunderts die erste mechanische Stickmaschine. Das Prinzip bestand darin, dass eine Nadel mit einem Faden komplett durch ein vertikal gespanntes Stoffteil gezogen wurde. Dann ruckte der Stoff ein Stück weiter, damit die Nadel wieder zurückgestochen werden konnte. Die Nadel stach dabei immer an denselben Punkten, während der Stoff hin und her bewegt wurde - ein Grundprinzip, das auch heute noch bei den modernen Stickmaschinen angewendet wird. Die Bewegung wurde dabei durch einen sogenannten Pantographen gesteuert.
Ebenfalls in der Schweiz entwickelte Isaak Groebli etwa zur selben Zeit mit Schiffimaschine die erste Großstickmaschine. Er verband hier die Techniken Großwebstühle mit denen der Nähmaschinen. Insbesondere nutzte er das Prinzip des Ober- und Unterfadens. Über Spulen wurden diese beiden Fäden kontinuierlich abgerollt, so dass das mühselige Einfädeln wie bei der Handstikmaschine entfiel.

In der Schweiz, aber auch in Deutschland (Erzgebirge/Vogtland) und in Österreich (Vorarlberg) entwickelte sich ein vollkommen neuer Zweig der Textilverarbeitung: das industrielle Sticken. Der Pantograph organisierte dabei über einen Lochstreifen die Bewegung der Maschine. Daher rührt auch der Begriff des „Punchens" („to punch" ist das englische Wort für „stanzen" bzw. „lochen"), wie man das maschinengesteuerte Übertragen einer Stickvorlage nennt. 1896 wurde der erste Punch-Automat gebaut, der zu einer Arbeitsteilung in Puncher und Sticker führte. Und noch ein weiterer Beruf bildete sich im Stickereigewerbe heraus: der Zeichner. Er musste die Muster zunächst vergrößern und dann die einzelnen Stickpunkte eintragen, die der Puncher dann abfahren konnte.

So funktioniert es heute
Heute wird diese Steuerung vom Computer übernommen. Dafür muss dir Mustervorlage digitalisiert und in eine Grafik umgewandelt werden  - etwa in eine Vektorgrafik, bei der das Motiv in geometrische Figuren (Vektoren) wie Linien, Punkte und Flächen übertragen wird. Gängiger ist derzeit allerdings die Umsetzung in eine Bitmap-Grafik, die die Vorlage in Pixel übersetzt statt in Vektoren.
Anhand dieser Grafik erfolgt die Umsetzung in einzelne Stiche über eine spezielle Punch-Software (wobei der Puncher bzw. Sticker oft diffizile Nacharbeiten vornehmen muss, was die Stickerei in kleinen Stückzahlen bei komplizierten Mustern etwas teurer macht als Textildruck). Das Punch-Programm steuert nun die Stickmaschine, die die Designvorlage per Nadel und Faden .ml einen textilen oder anderen Untergrund überträgt.
Bei einer industriellen Stickmaschine sind die Stickköpfe an einem Querträger befestigt und mit einer durchgehenden Hauptantriebswelle miteinander verbunden. Die modernsten Maschinen haben heute bis zu 55 Stickköpfe, können also 55 Objekte gleichzeitig bestickt werden. In Europa findet man allerdings selbst 36-köpfige Maschinen eher selten, häufiger sind Maschinen mit zwölf bis 15 Köpfen. Jeder Stickkopf ist mit mehreren Nadeln ausgestattet, die - je nach Farbe, die gestickt werden soll - über die Nadelplatte und den darunter liegenden Greifer fahren. Wie bei normalen Nähmaschinen entsteht die Stickerei mithilfe eines Oberfaden/Unterfadensystems.
Das übliche Stickfeld einer Maschine für die Bestickung von Fertigteilen hat eine maximale Größe von 45 x 50 cm, der Rahmen, in den zu bestickenden Stoff eingespannt wird, lässt eine Stickfläche von 40 x 40 cm zu. Durch die Bewegung des Rahmens wird der Oberfaden auf das Gewebe aufgelegt und durch die Verschlingung mit dem Unterfaden (Doppelsteppstich) fest darauf fixiert, jeder Stickkopf kann bis zu maximal 15 Nadeln haben, gebräuchlich sind auch Köpfe mit zwölf Nadeln. Dabei sind in den seltensten Fällen alle Nadeln gleichzeitig für ein Stickmotiv in Gebrauch, meistens sind es fünf bis acht Nadeln. Die Farben werden nacheinander gestickt, nicht gleichzeitig. Da das Wechseln der Farben/Garne auf den Nadeln manuell erfolgt und somit recht aufwendig ist, bestücken die meisten Sticker die Spulen mit den gängigsten Farben und schalten dann jeweils die Nadeln ein, die sie für das aktuelle Motiv brauchen.
Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Stoff mit Stickereien zu veredeln: Entweder wird ein Objekt direkt bestickt, oder eine Stickerei wird auf ein Träger material aufgestickt und dann später auf das Objekt genäht oder geklebt. Da bei können nicht nur textile Materialien bestickt werden, sondern auch z.B. Kunststoffe (wie z.B. LKW-Plane), Leder oder Kunstleder. Weniger geeignet ist das Stickverfahren bei sehr elastischem und dünnem Material sowie bei sehr komplizierten, detailreichen oder großflächigen Bildvorlagen bei letzteren v.a. aus Kostengründen.
Bei der direkten Bestickung eines Stoffes wird oft mit einem Unterstoff aus Vlies gearbeitet, dem sogenannten Backing, das auf der unbestickten Seite liegt und ein Verziehen des Stoffes verhindern soll. Das Unterlegvlies wird vor allem bei elastischen Stoffen wie z.B. T-Shirts eingesetzt. Dickere Stoffe wie Hemdkragen, Schürzen oder Stofftaschen können auch ohne Unterlegvlies bestickt werden. Abzeichen, die erst später aufgenäht werden, werden auf fest gewebte Stoffe gestickt, z.B. auf Köper.

Nadel und Faden
Es gibt eine schier unendlich große Zahl von Garnarten, -materialien, -färben und stärken, die für die Stickerei eingesetzt werden können - z.B. Garne aus Nylon, Polyester, Kunstseide, Baumwolle, Acryl oder Wolle, besondere Effekt- und Funktionsgarne wie Metallicstickgam, UV-fähiges oder im Dunklen
leuchtendes Garn, hitzebeständiges Stickgarn für Arbeits- und Schutzkleidung etc.
Am gängigsten jedoch sind Garne aus Polyester und Kunstseide. Polyester gilt als besonders reißfest (obwohl in modernen Maschinen heutzutage auch andere Garne nicht mehr so schnell reißen), Kunstseide hat einen besonderen Glanz (der allerdings heute zum Teil auch mit Polyestergarn nachgeahmt werden kann). Baumwollgarne werden dagegen eher selten eingesetzt. Die drei großen Anbieter von Stickgarnen in Deutschland bzw. Europa sind die Amann Group, Gunold und Madeira, sie alle verfügen über eine große Auswahl an Stickgarnen und -zubehör.
Die Standardstärke bei der Garnwahl sind 40er-Garne, für besonders feine Stickereien werden 60er-Garne eingesetzt. Die dickste Stärke, die gemeinhin verwendet wird, ist das 30er-Garn. Entsprechend der Garnstärke wird die Nadelstärke ausgewählt: 80er-Nadeln für 40er-Garn, 65er-Nadeln für 60er-Garn und 110er-Nadeln für 30er-Garn. Die Stärke der Nadel bezeichnet dabei ihren Durchmesser knapp über der Spitze: Bei einer 80er-Nadel beträgt dieser 0,8 mm. Auch bei den Nadelspitzen gibt es Unterschiede: Für Lederbestickung werden andere Nadelspitzen benötigt als für Textilien.
Der Preis für eine Stickerei richtet sich nach der Anzahl der Stiche. Für ein Motiv mit 30.000 Stichen braucht eine Maschine z.B. 40 Minuten, auf dieser Grundlage kalkuliert der Sticker den Preis.
Auch wenn die Stickerei aufwendiger ist als der Textildruck, kann sie bei kleineren Motiven preislich durchaus damit konkurrieren. Besonders attraktiv machen den Stick seine Langlebigkeit, seine Hochwertigkeit und seine Dreidimensionalität: Motive lassen sich in mehreren Lagen sticken und wer-den dabei zum Teil noch mit einem Schaumstoff für dreidimensionale Effekte unterlegt, so dass erhabene, plastische Ergebnisse erzielt werden.